Jesus Walk München 2018 Rückblick

Jesus Walk München 2018 Rückblick: „Euch kann man nur mögen“

Ein paar Impressionen vom Jesus Walk München – Deutschlands wohl kleinster Demo mit der größten Idee

Über unsere Motive

Für einen, der 2000 Jahre am Kreuz rurmhing, war Jesus absolut tiefenentspannt. Die Zahl der Mitstreiter lag zwar unter der seiner heute bekannten Jünger, mit (Polizei-)Eskorte jedoch klar drüber. „Wäre das vor 2000 Jahren auch so gewesen“, grinste er, „würde die Welt heute eine andere sein.“ Spontane Begeisterung schlug ihm und unserer Aktion in München aber nicht nur von Passanten und Polizei entgegen. Sondern auch von Seiten des Kapital (in Form eines begeisterten Porschefahrers). Die einzige Spaßbremse wieder mal: Die katholische Kirche.

 

Jesus Walk München 2018 Rückblick
Jesus, happy vor dem Party Truck

Toll.

Erstmal ging gar nichts los.

Der Generator streikte. Zuwenig Öl? Zuviel Öl? Unheiliges Öl? Nach einer Stunde hatten wir den Clou gefunden. Oh, Jesus! Der Schalter.

Und so wurde aus 15:00 also 16:00 Uhr.

Die Passanten im Herzen von München staunten nicht schlecht: ‚München grüßt Gott‘. What the F**k? Wer sind die? Die Zeugen Jehovas?

Garantiert nicht.

Auf dem Musikwagen prangte ja in Riesen-Lettern daneben: ‚In den 10 Geboten steht nicht: Du sollst keinen Spass haben‘.

Jesus Walk München 2018 Rückblick: Ok. Lächeln, Anerkennung, Zustimmung.

Ein Streifenwagen mit Blaulicht führte sanft den Jesus Walk an. Es folgten eine Polizistin und ein Polizist zu Fuß. Beide so gut aussehend, dass sie für einen Teil der Polit-Performance gehalten wurden. Dahinter mit Locken und Toga der bärtige Jesus, der die Passanten freundlich und mit Kusshändchen grüßte. Er wurde ebenso freundlich und herzlich, zurückgegrüßt. Hinter ihm der mit Sprüchen plakatierte LKW und der Beschallung der einheimischen und ausländischen Spazierbevölkerung durch unsere 100 Holy Hits.

Zwei Damen ganz in schwarz bildeten den Demonstrationszug. Die eine von ihnen mit einem Tretroller.

Yeah! Maria und Magdalena!

Sie hatten in der Süddeutschen Zeitung über den JESUS WALK gelesen und spontan beschlossen, dabei zu sein. Zum Schluss, mit brasilianischen Luftfähnchen wedelnd, unsere Helfer Kai und Nikki, ohne die der ganze Aufbau nie fertig geworden wäre.

Der Zug – vom Eine-Welt-Haus in der Schwanthalerstrasse bis vor die Feldherrenhalle am Odeonsplatz – geht sicherlich in die neure Apostel-Geschichte ein. Ehrenwort. Und die Party auf dem Odeonsplatz war auch durch die WM und kältere Winde nicht zu (s)toppen.

Jesus Walk München 2018 Rückblick: Nur die katholische Kirche war nicht glücklich

Nur die katholische Kirche unternahm einen Versuch. Ehrenhalber.

Nach fünf Minuten erschien – aus heiterem, aber doch recht zugigem Himmel – die Küsterin oder/und Pfarrerin der Theresienkirche. Sie forderte uns auf, sofort die Musik leiser zu machen. In 30 Minuten beginne schließlich der Gottesdienst.

„Äh, Moment, wir … machen doch auch…“

Sie ließ uns stehen. Als Antwort auf das lebendige und fröhliche Christentum ließ sie die Glocken der Kirche wie wild durcheinander schlagen.

Netter Versuch.

Als könnte man uns – und Bono, Jesus and the Marychain… Kayne West… Stones… Snoopy Dog und und und… – mit dem bißchen Kakophonie mundtot machen.

Sorry, Frau Küsterin/ und oder Pfarrerin, dachte ich. Aber mit einer Taktik, die schon 68 gescheitert war, kommen Sie heute genauso wenig weiter. Dazu ist die Idee viel zu gut. Na los, fragen Sie doch mal, warum kaum einer mehr in die Kirche geht. Achso. Tschuldigung. In den Reihen sitzt ja keiner mehr, den man fragen kann.

Jesus – kopfschüttelnd über die Engstirnigkeit „seiner“ Kirche – hielt seine historische Rede auf aramäisch, bis er merkte, dass diese Sprache ausgestorben ist… dann auf Englisch.

Wirklich jeder – auch die Polizisten – ließen sich von diesem Jesus mit seinem offenen Lachen anstecken.

Jesus Walk München 2018 Rückblick: Einmal wurds brenzlig

Kurz vor Schluss saß noch mal brenzlig aus. Ein Mann – um die 50 – stürmte auf mich zu. Typ Münchner Porschefahrer. Er legte gleich los: „Egal, was ihr hier macht, egal, wer ihr seid, egal warum ihr diese Idee habt… egal…egal…egal…Ich bin vorhin mit meinem Auto an Eurer Demo am Stachus vorbeigefahren. Ich habe auf Teufel komm raus gehupt. Und? Was ist passiert? Die Polizisten haben mich angelächelt. Ich hab zuerst gedacht, die sind nicht echt. Mann, sowas hab ich in München noch nie erlebt! Ihr seid so etwas von wunderbar. Euch kann man nur mögen.“

Und fort war er.

Jesus Walk München 2018 Rückblick: Auch die Polizei war glücklich

Ja, die Münchner Polizei! Während sie Seite an Seite mit den Demonstranten lief, wandte sich einer von ihnen an Jesus. Gegengewalt bringe gar nichts. Das habe er als Polizist gelernt. Und deshalb seien er und seine Kollegen so happy, dass mit diesem JESUS WALK endlich mal ein anderes Zeichen als von üblichen Demos gesetzt wird. Und er fuhr fot: „Ich geh‘ heut‘ als glücklicher Mensch nach Hause.“

Ganz ehrlich: Das galt nicht nur für ihn.

„Thank you, Jesus! Thank you Lord.“

 

Wie das Domradio den Jesus Walk sieht